PROJEKT
Dokumentation von Schlüsselkompetenzen in der gymnasialen OberstufeZielsetzung
An der Lernwerft – Club of Rome Schule Kiel bearbeiten die Schülerinnen und Schüler im Verlauf ihrer Oberstufenzeit mehrere umfangreiche, wissenschaftspropädeutische Projekte. Dabei erwerben sie nicht nur fachliches Wissen, sondern auch Kompetenzen wie selbstständiges Arbeiten, Teamfähigkeit, kritisches Denken, Verantwortungsübernahme und die Fähigkeit, eigene Lernprozesse zu reflektieren. Diese Kompetenzen entstehen häufig im Arbeitsprozess selbst und lassen sich nicht mit einer einzelnen Zeugnisnote ausdrücken.
Ausgangspunkt des Projekts war daher die Frage, wie solche Schlüssel- und Zukunftskompetenzen systematisch erfasst, nachvollziehbar beschrieben und fair gewürdigt werden können. Im Rahmen des Projekts wurde ein Verfahren entwickelt, das sowohl den individuellen Lernwegen der Schülerinnen und Schüler gerecht wird als auch für externe Dritte – etwa Hochschulen, Ausbildungsbetriebe oder Arbeitgeber – verständliche und verlässliche Aussagen ermöglicht. Das Zertifikat ergänzt das Abiturzeugnis und macht Kompetenzen erkennbar, die sich mit klassischen Schulnoten allein nicht angemessen abbilden lassen.
Das Projekt wurde im Rahmen einer Erasmus+-Förderung der Europäischen Union durchgeführt.
Welche Kompetenzen werden sichtbar gemacht?
Im Mittelpunkt des Projekts stehen sogenannte Schlüssel- und Zukunftskompetenzen – also Fähigkeiten, die Schülerinnen und Schüler benötigen, um komplexe Aufgaben selbstständig zu bearbeiten, im Team zu arbeiten und verantwortungsvoll mit neuen Herausforderungen umzugehen. Diese Kompetenzen sind für Studium, Ausbildung und Beruf ebenso relevant wie für gesellschaftliche Teilhabe, werden im Schulalltag jedoch oft nur indirekt sichtbar.
Als fachlicher Orientierungsrahmen für Zukunftskompetenzen dienen die international anerkannten Inner Development Goals (IDGs). Sie beschreiben persönliche und soziale Fähigkeiten wie Selbstreflexion, Kooperationsfähigkeit, kritisches Denken und den bewussten Umgang mit Unsicherheit und Veränderung:
Abbildung: Inner Development Goals (Quelle: https://drive.google.com/file/d/1yBawF8WFSE-nhljJy7hqmjtlkIWNbwGS/view
Die im Zertifikat ausgewiesenen Kompetenzen beziehen sich dabei immer auf konkrete Projektarbeiten. Sie zeigen, wie Schülerinnen und Schüler arbeiten, lernen und Verantwortung übernehmen – nicht abstrakt, sondern bezogen auf reale Aufgaben und Prozesse.
Wie werden diese Kompetenzen erfasst und bewertet?
Die im Zertifikat ausgewiesenen Kompetenzen beziehen sich auf Fähigkeiten, die für die erfolgreiche Bearbeitung der jeweiligen Projektarbeiten erforderlich sind. Bereits im Vorfeld legen die projektbegleitenden Lehrkräfte fest, welche Schlüssel- und Zukunftskompetenzen im Rahmen eines Projekts angesprochen und entwickelt werden können.
Während der Projektarbeit reflektieren die Schülerinnen und Schüler diese Kompetenzen mithilfe eines Kompetenzrasters. Im Mittelpunkt steht dabei nicht eine individuelle Bewertung oder Messung von Kompetenzniveaus, sondern die bewusste Auseinandersetzung mit eigenen Lern- und Arbeitsprozessen. Die Reflexion dient dazu, die Rolle dieser Kompetenzen im Projektverlauf zu verstehen und einzuordnen.
Das Zertifikat dokumentiert somit die Teilnahme an und erfolgreiche Bewältigung von Projekten, in denen bestimmte Kompetenzen vorausgesetzt, eingeübt und reflektiert wurden. Dieses Vorgehen orientiert sich an anerkannten Konzepten zur Dokumentation informell erworbener Kompetenzen und verfolgt bewusst keinen quantitativen oder vergleichenden Ansatz. Ziel ist es, Kompetenzen sichtbar zu machen, ohne sie zu standardisieren oder zu bewerten.
Ergebnisse des Projekts
Zentrales Ergebnis des Projekts ist ein Kompetenzzertifikat, das den Schülerinnen und Schülern ergänzend zum Abiturzeugnis überreicht wird. Es dokumentiert die im Rahmen der Projektarbeiten erworbenen Schlüssel- und Zukunftskompetenzen und macht diese für externe Dritte nachvollziehbar.
Für Hochschulen, Ausbildungsbetriebe und Arbeitgeber stellt das Zertifikat eine aussagekräftige Ergänzung zum Zeugnis dar, da es Kompetenzen sichtbar macht, die für weitere Bildungs- und Berufswege von zentraler Bedeutung sind.
Als Ergebnis des Projekts wurde angestrebt, den SuS mit dem Abiturzeugnis ein zusätzliches Zertifikat bzw. Portfolio zu überreichen, das Kurzbeschreibungen der drei durchgeführten Projekte sowie eine Dokumentation der erworbenen Kompetenzen enthält. Das Zertifikat soll möglichst an den DQR anschlussfähig sein.
Zur Identifikation und Dokumentation der Kompetenzen wurde außerdem ein Kompetenzraster entwickelt und erprobt. Das Raster soll einen Vorher-Nachher-Abgleich ermöglichen und die SuS zur Selbstreflexion anregen. Darüber hinaus dient es als Grundlage für Peer-Feedbacks sowie für Reflexionsgespräche mit den Lehrkräften.
Weiterhin wurde ein Leitfaden für Lehrkräfte entwickelt, der die projektbegleitenden Lehrkräfte dabei unterstützen soll, Kompetenzen zu identifizieren und mit den SuS zu reflektieren.
Ausblick
Das Vorhaben stellt ein Pilotprojekt dar, um erste Erkenntnisse in der Arbeit mit Zukunftskompetenzen zu gewinnen. Im Rahmen von Folgeprojekten sollen a) die Zertifikate um weitere Kompetenzdimensionen der IDGs erweitert werden, b) Fortbildungen entwickelt werden, um Lehrkräfte zu Projektbegleiter*innen auszubilden und c) Curricula entwickelt und überarbeitet werden, um sicherzustellen, dass die Schlüsselkompetenzen auch angemessen vermittelt werden.
Publikationen
Im Rahmen des Projekts sind bislang die folgenden wissenschaftliche Publikationen erarbeitet worden, weitere sind in Vorbereitung.
Hantke, H. / Lorch, A.: Inner Development Goals zur Erreichung der Sustainable Development Goals – Self-Assessments als Reflexionsanlass in transformativen Lernprozessen, in: Pijetlovic, D. / von Au, J. / Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit (VAN) (Hrsg.): Klimawandel und Bildung – Interdisziplinäre Grundlagen und didaktische Impulse, oekom verlag, S. 514-530.
Hantke, H. / Lorch, A.: Responsiv-transformative Weltbeziehungen – Resonanz als Anspruch einer nachhaltigkeits-bezogenen Bildung, Working Paper
Vorträge
Das Projektvorhaben sowie die -ergebnisse wurden zu verschiedenen Anlässen vorgestellt und diskutiert:
- Responsiv-transformative Weltbeziehungen – Resonanz als Anspruch einer nachhaltigkeitsbezogenen Bildung, Vortrag im Rahmen der Auftakttagung der DGfE-Arbeitsgemeinschaft Nachhaltigkeit bzw. Nicht-Nachhaltigkeit und planetare Zukünfte zum Thema „Erziehungswissenschaft und Nachhaltigkeit – Widerstände bearbeiten. Zukünfte gestalten.“ an der Universität zu Köln. (2025)
- Impulsvortrag und Leitung des Workshops „Zukunftskompetenzen und transformative Bildung“ im Rahmen der Tagung „Stiftungen im Bildungssystem: Mehr bewirken durch Innovation und Transfer“, Arbeitskreis Bildung des Bundesverbands Deutscher Stiftungen in Stuttgart. (2025)
- Transformative Bildung & Zukunftskompetenzen, Vortrag im Rahmen des Schulentwicklungstags an der Gemein-schaftsschule Nortorf. (2025)
- Zukunftskompetenzen in der Schule am Beispiel der Inner Development Goals, Vortrag und Workshopleitung im Rahmen des Kreisschüler*innen-Parlaments der Stadt Kiel. (2024)
- Förderung von Inner Development Goals zur Erreichung der Sustainable Development Goals als Ziel transformativer Wirtschaftsdidaktik im Kontext nachhaltiger Entwicklung, Vortrag auf der 7. Jahrestagung der Gesellschaft für sozio-ökonomische Bildung und Wissenschaft (GSÖBW) an der Universität zu Köln. (2024)
Kontakt
Prof. Dr. Alexander Lorch
a.lorch(at)bildungsstiftung.de
Bildungsstiftung Schleswig-Holstein
Adresse: Skagerrakufer 5, 24159 Kiel
Telefon: 0431-54 02 870
Email: a.benning(at)bildungsstiftung.de